Partnergemeinde: Gemeinde Neckarwestheim

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Partnerschaft mit der französischen Gemeinde Ceton

Der Beginn der Partnerschaft
„Mütter“ der „jumelage“ zwischen Neckarwestheim und Ceton sind deren jeweils größere Nachbarstädte Lauffen und La Ferté-Bernard (Département Sarthe). Über den regelmäßigen Schüleraustausch beider Gymnasien war schließlich deren Partnerschaft zu Stande gekommen. Und da am Austausch auch Schüler aus Ceton und Neckarwestheim beteiligt waren, bot es sich geradezu an, auch diese beiden Gemeinden zu verschwistern.

1975 besuchte eine Neckarwestheimer Delegation den 800 Kilometer entfernten künftigen Partner. Der Gegenbesuch folgte ein Jahr später, und 1977 war es soweit: In der Mairie, dem Rathaus von Ceton, unterzeichneten die damaligen Bürgermeister Albert Bussonnier und Horst Armbrust sowie die Vorsitzenden der jeweiligen Partnerschaftskomitees, Jean-Claude Gouhier und Kurt Kollak, die Urkunde über die Partnerschaft. 1978 wurde die feierliche Zeremonie in der alten Neckarwestheimer Reblandhalle wiederholt.

Die jährlichen Treffen

Seitdem besuchen sich die Einwohner beider Gemeinden regelmäßig. Es hat sich eingebürgert, dass in ungeraden Jahren die Neckarwestheimer gen Westen fahren, in geraden Jahren kommen die Cetoner an den Neckar. Als praktisch hat es sich erwiesen, die Zeit zwischen Himmelfahrt und dem darauf folgenden Sonntag dafür zu nutzen.
 

Von Anfang an war die „jumelage“ auf die persönliche Begegnung der Einwohner abgestellt. Sie war weniger eine Sache der bürgerlichen Gemeinde, die zwar organisatorische und finanzielle Hilfestellung gab und gibt, das Feld aber weitgehend den Familien überlässt. So haben sich im Laufe der letzten 25 Jahre viele feste Freundschaften ergeben. Zu familiären Festen wie Hochzeit, Taufe, Konfirmation oder Kommunion werden oft Gäste aus Ceton nach Neckarwestheim eingeladen. Auch die Neckarwestheimer besuchen zu diesen Anlässen gerne ihre Partnerfamilien in Ceton.

Haben Sie Interesse an einer der Begegnungen teilzunehmen? Dann setzen Sie sich bitte mit der Vorsitzenden des Partnerschaftskomitees Christine Conrad-Weigl, Tel. 07133/15285, E-Mail: christine.conrad@gmx.de oder der Gemeindeverwaltung, Tel. 07133/184-0, E-Mail: info@neckarwestheim.de in Verbindung.

Der Vergleich der beiden Gemeinden

Beide Dörfer unterscheiden sich jedoch in vielen Punkten voneinander: Während Neckarwestheim seit den 70er Jahren den Wandel von einer landwirtschaftlich geprägten Gemeinde zur Arbeiterwohngemeinde vollzogen hat, mit dem Kernkraftwerk Neckawestheim einen Betrieb auf der Markung hat, der viele Arbeitsplätze (und wegen des Zwischenlagers viel Diskussionsstoff) bietet, wird das Leben in Ceton heute wie eh und je von Viehwirtschaft und Getreideanbau geprägt. Einige kleinere Gewerbebetriebe bieten freilich auch in Ceton außerlandwirtschaftliche Arbeitsplätze. Auf Cetoner Markung sind ein Altenheim und ein Waisenhaus („Château de Glaye“) ansässig. Die Gemeinde hat auch, im Gegensatz zu Neckarwestheim, ein eigenes kleines Freibad (in dem die Neckarwestheimer übrigens freien Einritt haben).

Während das Neckarwestheimer Gemeindegebiet vergleichsweise übersichtlich ist, besitzt Ceton eine der größten Dorfmarkungen Frankreichs. Es gibt beinahe unzählig viele Einzelhöfe mit teilweise putzigen uralten Namen und mitten im Dorf steht eine widerstandsfähige Wehrkirche, deren Grundmauern aus dem zehnten Jahrhundert sind – St. Pierre-ès-liens (St. Peter in Banden).

Ceton liegt im Norden Frankreichs, in der Region Normandie. Die aus mehrere Teilorten und Gehöften bestehende Flächengemeinde ist u.a. für den Camembert, edle Pferdezucht, Wälder und Weidelandschaften und natürlich den Calvados bekannt. Die beiden Partner-Kommunen liegen rund 760 km voneinander entfernt. Im Laufe der letzten vier Jahrzehnte haben sich trotz der Entfernung viele feste Freundschaften ergeben, die nicht nur bei den jährlichen Begegnungen gepflegt werden. Die Treffen finden immer in der Zeit zwischen Himmelfahrt und dem darauf folgenden Sonntag statt. Es hat sich eingebürgert, dass in ungeraden Jahren die Neckarwestheimer gen Westen fahren, in geraden Jahren kommen die Cetonais an den Neckar.

Stärkung der Freundschaft mit Frankreich

Mit ihrer Partnerschaft haben beide Gemeinden am großen europäischen Einigungswerk mitgewirkt, mit dem weitsichtige Männer wie Robert Schuman, Konrad Adenauer, Charles de Gaulle und Carlo Schmid dem ständigen Ringen um die Vormachtstellung in Europa endlich ein Ende machen wollten. Bei Lichte besehen war die Geschichte Europas seit dem Reich Karls des Großen eine so gut wie ununterbrochene Abfolge von Kriegen, die, je weiter die Zeit fortschritt, desto unsinniger und grausamer wurden. Wenn je Kriege einen Sinn gehabt haben sollten, dann der letzte, schlimmste, denn er hat dazu geführt, dass vielen die Augen geöffnet wurden und sie endlich dem friedlichen Miteinander der Menschen den Vorzug gaben – ein Schritt der reinen Vernunft.

Besonders unsinnig muss die so genannte Erbfeindschaft zwischen Deutschland und Frankreich erscheinen. Denn beide Nationen entstanden auf dem Boden eines einzigen Reiches, das in der Nachfolge des Imperium Romanum von Karl dem Großen (Charlemagne, 747 bis 814) gegründet worden war. Dieses Großfränkische Reich erstreckte sich von der Loire bis an die Elbe, von der Nordsee bis an die Pyrenäen. Seine Einwohner sprachen im Westen romanisch, im Osten fränkisch, aber beide respektierten als ihren Regenten König, seit 800 Kaiser Karl. Selbst als dessen Enkel Karl, Ludwig und Lothar 843 im Vertrag von Verdun das Reich in drei Hälften teilten, blieb die Einheit wenigstens dem Äußeren nach erhalten. Erst mit dem Aussterben der Karolinger und dem Aufkommen neuer Herrschergeschlechter im West- und im Ostfränkischen Reich trennten sich die Wege und es entstanden allmählich Frankreich und Deutschland. Von Anfang an hatten beide ein Streitobjekt: Das Zwischenreich zwischen beiden, das einst Karls Enkel Lothar von seinen Brüdern zugewiesen bekommen hatte (Lothringen). Bis in die Neuzeit zogen sich die Fehden um Lothringen, das Elsass, Burgund und Flandern hin, angeheizt noch durch persönliche Racheakte der einzelnen Herrscher. Gegenseitiger Länderraub, Besetzungen und Bedrückungen für die Bevölkerung waren an der Tagesordnung.

So ist es nicht verwunderlich, dass es auch heute noch bei einzelnen Menschen dies- und jenseits des Rheins Vorbehalte gegen den jeweils anderen gibt. Insbesondere Franzosen empfinden manchmal noch Misstrauen gegenüber Deutschen, da sie während der Besetzung eines großen Teils ihres Landes durch Hitlers Wehrmacht und das Treiben der Gestapo einen sehr nachdrücklichen Eindruck vom hässlichen Deutschen, vom Boche, bekommen haben.

Es war deshalb ein wagemutiger Schritt des damaligen Staatspräsidenten Charles de Gaulle und des damaligen Bundeskanzler Konrad Adenauer, als sie sich 1963 in der Kathedrale von Reims, der Krönungsstätte der französischen Könige, die Hand zur Versöhnung reichten und die deutsch-französischen Beziehungen auf die Grundlage des Vertrauens stellten. Eine Unzahl von Partnerschaften zwischen Städten und Gemeinden folgten diesem Schritt und haben an ihrer Stelle dazu beigetragen, das in vielen Jahrhunderten entstandene Bild der Fratze des jeweils Anderen in ein menschliches Gesicht zu verwandeln. Gemessen an der Zeit der „Erbfeindschaft“ ist das in verhältnismäßig kurzer Zeit geschehen.

Ceton und Neckarwestheim haben dazu beigetragen. Insbesondere bei den Ausflügen gemeinsam mit den Partnern zu Sehenswürdigkeiten des anderen Landes sind sich die Menschen näher gekommen. Sei es bei den Fahrten nach Rothenburg o.d.T., an den Bodensee oder nach Baden-Baden, zur französischsten aller französischen Sehenswürdigkeiten, dem Mont Saint Michel in der Bretagne, nach Honfleur am Ärmelkanal oder in die alte Seeräuber-Festung St. Malo – immer wurden bei diesen Fahrten menschliche Bande fester geknüpft.

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