Historischer Rundgang: Gemeinde Neckarwestheim

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Historischer Ortsrundgang

Der Ort Neckarwestheim wurde erstmals am 5. März 1123 urkundlich erwähnt. Die ursprüngliche Ortsgründung weist jedoch zurück bis ins 8. Jahrhundert. Der historische Ortsrundgang beginnt am Rathaus.

Mehr zur Geschichte von Neckarwestheim.

 

Nachfolgend finden Sie zu den einzelnen Stationen des historischen Ortsrundgangs viel Interessantes und Wissenswertes. Die erste Station des Ortsrundgangs ist am Wassergraben (Dorfgraben) und die letzte Station, die beschrieben wird, ist die Evangelische Kirche.

1. Wassergraben (Dorfgraben)

Seit der Neugestaltung des Areals im Jahr 2018 erinnert ein kleiner Wasserfluss an den historischen Wassergraben. Jahrhundertelang diente dieser  als Ortsbefestigung nach Nordwesten. Das Wasser floss aus der Quelle unter dem alten Rathaus über Kandeln in den Graben.

1908 erteilte das Oberamt Besigheim die Anweisung, den Graben zuzuschütten. Die Gemeinde wehrte sich dagegen, denn der Wassergraben diente mittlerweile als Löschwasserreservoir, Gänsegarten, Fischteich und im Winter als Schlittschuhbahn.

1924 schließlich wurde der erste Teil des Wassergrabens von der Hauptstraße bis zum Gänsegarten zugeschüttet,

1954 ganz. Auf dem Areal wurden Gärten angelegt.

2. Backhaus

Das Backhaus am Schmidtor ist das einzig erhaltene von ehemals drei Backhäusern. Es wurde 1878 als letztes der öffentlichen Backhäuser erbaut. Die beiden anderen standen am Brunnentor und am oberen Tor.

Der Bau von öffentlichen Backhäusern geht auf eine königliche Verordnung zurück. Damit sollte die Feuergefahr, die von privaten Backöfen ausging, in den eng bebauten Siedlungen verringert werden. Die Berechtigung zum Backen wurde durch eine „Backfrau“ und Backzeiten (Ränge) festgelegt. Am beliebtesten war der vierte und letzte Rang, wenn die Öfen heiß waren und Feuerholz gespart werden konnte.

3. Schafhausbrunnen (Cetoner Platz)

Der Schafhausbrunnen auf dem heutigen Cetoner Platz erinnert an das ehemalige Schafhaus, das hier am Ortsrand stand. Die Verpachtung des Schafhauses und der Schafweide sicherte der Gemeinde gute Einnahmen. Einst gehörte das Schafhaus der Gemeinde allein, nach dem 30jährigen Krieg musste sie 1649 die Hälfte an die Liebensteiner verkaufen.

Der Brunnen ist ein Relikt der alten Wasserversorgung mit Brunnen und Quellen.

1907 wurde im Dorf die erste Wasserleitung gebaut.

4. Dorfmauer

Die Errichtung der Dorfmauer geht auf die Gewährung des Marktrechtes im Jahr 1555 zurück und sollte als Grenze der Ortschaft und zum Schutz vor Dieben und Vaganten dienen. Drei Tore sicherten den Zugang zum Ort: das Schmidstor, das obere Tor und das Bronnentor.  Die Tore wurden nachts verschlossen.

Um das Übersteigen der Mauer zu erschweren, wurde vor und teilweise auch innerhalb der Mauer ein Graben eingetieft.

5. Fachwerkhaus (Handwerkerhaus)

Das Gebäude wurde in der Renaissance  im Jahre 1603 erbaut und war bis Mitte des 19. Jahrhunderts das Wohnhaus einflussreicher Bürger mit einer Werkstatt für verschiedene Handwerker. Stilistisch ähnelte die Fassade der Kapelle auf Schloss Liebenstein.

Bereits 1933 wurde die Denkmaleigenschaft des Privatgebäudes festgestellt.

Im Jahre 1993 übernahm die Gemeinde das Gebäude und forcierte die Renovierung.

Letztendlich konnten im Jahre 2000 die Arbeiten abgeschlossen werden. Das Gebäude wird heute als Bürohaus genutzt.

6. Altes Rathaus

Die ältesten Hinweise zum Bau des Rathauses stammen aus dem 16. Jahrhundert.

1751 erhielt das alte Rathaus durch einen Umbau sein heutige Aussehen. Im Untergeschoss befand sich ein Brunnenraum, der die Wette und den Wassergraben speiste. Im Erdgeschoß befanden sich der Ortsarrest, Magazinräume und die Feuerspritzen, im Obergeschoss der Ratssaal und drei Amtsstuben.

7. Ehemaliges Schulhaus, Rathausstraße

1699 ließ die Geistliche Verwaltung das Gebäude in der Rathausstraße 13 neu erbauen, um hier die Schulstuben und die Wohnung für den Lehrer und seine Familie einzurichten. Damit konnten die angemieteten Räume im Haus des Pfarrers Laurentius Donner aufgegeben werden. Es war aber nur eine kurze Zeit der Nutzung, denn bereits

1753 kehrte die Schule an ihren alten Standort in der heutigen Schulgasse 30 in einen Neubau zurück.

Die Rathausstraße 13 ging 1757 in den Privatbesitz des Herrenkiefers zu Liebenstein Johann Michael Böhringer über.

8. Ehemalige Wagnerwerkstatt

Von der alten Werkstatt des Wagners Gustav Bäuerle zeugt nur noch das Foto, welches um 1990 vor dem Umbau des Gebäudes gemacht wurde. In der Scheuer hinter der Werkstatt lagerte der Wagner seinen Holzvorrat.

Dies muss wohl schon lange so gehandhabt worden sein, denn über dem Rundbogen der Tür ist ein altes Zunftzeichen eines Holzhandwerkers eingelassen. Dechsel, Axt, Hammer, Keil, Winkel und Bohrer weisen jedoch eher auf einem Zimmermann hin.

9. Pfarrscheuer

Die Scheuer gehörte der Geistlichen Verwaltung. Die Pfarrer brachten hier ihre landwirtschaftlichen Erzeugnisse unter. Außerdem wurde hier der „kleine Zehnt“, den die Bewohner Neckarwestheims an den Pfarrer entrichten mussten, eingelagert.

Nach mehreren Eigentümerwechseln gehört das Gebäude heute dem Gesangverein Eintracht Neckarwestheim als Vereinsheim.

10. Alte Schule, Reblandstraße

Nachdem die Schülerzahl über 270 Kinder anstiegen war, waren die Kapazitäten des Schulgebäudes Schulstraße 30 erschöpft. Ein Neubau nicht weit von der alten Schule entfernt musste errichtet werden.

1890 wurde dieser eingeweiht. Fast 100 Jahre später war auch dieser zu klein.

1982 zog dann die Grundschule an den heutigen Standort in der Liebensteiner Straße.

2002 wurde das alte Schulgebäude renoviert und wird heute Unterkunft von den Landfrauen, dem Seniorenclub und der Volkshochschule genutzt.

11. Ehemaliges Schulhaus, Schulstraße 30

Die erste Schulstube befand sich hier im ehemaligen Diakonat. In dem Gebäude befand sich neben einer Schulstube auch die Wohnung des Diakons, der gleichzeitig Schullehrer war. Nachdem das Gebäude 1653 baufällig eingestürzt war, mietete die Gemeinde Räume im Pfarrhaus. Die Schule kehrte 1743 in das an dieser Stelle neu erbaute Schulgebäude zurück. 

Durch ständig steigende Schülerzahlen waren in den folgenden Jahrzehnten mehrere Erweiterungsumbauten nötig. So wurde nach 1831 im unteren Stock eine zweite und dritte Schulstube eingerichtet und Wohnmöglichkeit für einen zweiten Lehrer geschaffen. Im Jahr 1890 folgte dann der Umzug in einen Neubau in der Reblandstraße 13.

12. Evangelische Kirche

Nachdem die alte Kirche zu klein geworden war, wurde 1843/44 das Kirchenschiff abgerissen und ein Neubau an dem romanischen  Kirchturm aus dem 13. Jahrhundert angebaut.

Im Kirchturm hat eine Glocke aus dem Jahr 1524 die Zeit überdauert. Sie stammt aus  der Heilbronner Glockengießerwerkstatt  Lachaman und trägt die Schulterinschrift „Osanna heiß ich. In dem Namen Jesu leit ich“.

Im Jahr 1524 predigte der aus der Glockengießerfamilie Lachaman stammende Johann den lutherischen Glauben. Er gilt als der Reformator Heilbronns. 

13. Kirchhofmauer

Bis Anfang des 19. Jahrhunderts war Neckarwestheim von einer Mauer und einem Wassergraben umgeben. Das hier erhaltene Stück Mauer war gleichzeitig Begrenzung des Kirchhofes, auf dem bis zur Anlage des neuen Friedhofs am Nahweg, heute Friedhofstraße, die Toten bestattet wurden.

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